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Antalya - die Geschichte der Stadt



Zur Geschichte von Antalya

Wie bei vielen Städten, die unmittelbar am Meer liegen, ist die Geschichte der Stadt Antalya außerordentlich abwechslungsreich.
Nach dem Vertrag von Apamea (188 v.Chr.) erhält der König von Pergamon den Zugang zum Mittelmeer, wenn ein Teil der westlichen Südküste wurde Pergamon zugesprochen. Attalos II. Philadelphos (159-138 v.Chr.), König von Pergamon, benötigt nun dringend einen guten ausgebauten Hafen für den lukrativen Handel im östlichen Mittelmeer. Da Side nicht zum Herrschaftsgebiet des Königs gehört, und der günstige Hafen von Side also nicht wie ein eigener Hafen genutzt werden kann, fällt die Entscheidung des pergamesischen Hafenbaumeisters zu Gunsten einer großen Lösung in der Felsenbucht von Antalya. Sofort beginnt man mit der Stadtgründung und dem Ausbau des Hafens; die zugehörige Stadt wieder nach dem König Attalia benannt.
Auf König Attalos II. folgt sein Sohn Attalos III.; dieser Form macht das Reich von Pergamon per Testament der aufstrebenden jungen Hegemonialmacht Rom (133 v. Chr.). Seit 131 v. Chr. steht Attalia damit unter römischer Verwaltung und bildet einen Teil der blühenden römischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Nach dem Untergang des weströmischen Reichs (476 nach Christus) gehört die Südküste zum byzantinischen Reich. Doch der byzantinische Kaiser in Konstantinopel ist fern; er kann das Küstengebiet nicht ausreichend vor den Flottenunternehmungen der Araber schützen. Er hat genügend Probleme, die ständigen arabischen Angriffe auf seine Hauptstadt Konstantinopel abzuwehren. Der Handel im östlichen Mittelmeer bricht zusammen; infolge der wirtschaftlichen Not entvölkern sich die Städte an der Südküste und verfallen.
860 nach Christus erobert der arabische Admiral Fasil bin Karin die Stadt. Attalia wird Flottenstützpunkt für arabische Eroberungszüge. Doch die hohe Zeit des Kalifats in Bagdad neigt sich dem Ende zu. In einer Schwächeperiode des Kalifats gelingt es den Byzantinern, die Stadt zurückzuerobern. Eine Blütezeit für die Stadt setzt ein. 1084 wird unter Kaiser Alexios I.Komnenos in Attalia sogar der Sitz eines Metropoliten eingerichtet. Völlig überraschend wird ein Jahr später (1085) Attalia anteiliger von dem türkischen Heerführer Süleyman Bey erobert und dem seldschukischen Sultanat von Konya angegliedert. 1021 gelingt den Byzantinern zwar noch einmal die Rückeroberung, doch 1207 wird die Stadt wieder Teil des seldschukischen Reichs. Erster Kommandant wird der Emir Mubariz eddin-Ertokus, der die Sicherheit von Stadt und Land durch eine starke seldschukische Garnison garantiert. Noch heute zeugt ein Recht häufig auftretender Gesichtstyp mit schmaleren, schwarzen Augen und leicht hoch stehenden Backenknochen von der Eroberung der Stadt durch die Seldschuken.

Das friedliche, wenn auch für kurze Zeit der nachfolgenden seldschukischen Herrschaft ist für die Stadt sehr vorteilhaft. Seldschukische Fürsten herrschen in dieser Epoche über weite Teile des Nahen Ostens (Anatolien, Persien, Syrien, Palästina, Irak). Die Wege sind sicher, und sofort blüht der Fernhandel auf. Attalia profitiert darüber hinaus von der Schwäche der Byzantiner in Westanatolien. Der Handel mit den westlichen Mittelmeerländern wird ausgebaut; gleichzeitig erreichen die Warenströme aus Mittelasien die Stadt. Die Karawanen kommen über 2 bedeutende Handelsstraßen: die erste, schwierigere Straße führt von Antalya über Silyon, Aspendos, Kargi Hani und Tol Hani durch den Taurus zum Beysehir-See und biegt dann in Richtung Osten zu Hauptstadt Konya ab. Die zweite, weitaus bequemere Handelsstraße zieht von Attalia geradewegs nach Norden und erreicht bei Evdir Hani die obere Travertinterrasse. Nach einem Tagesmarsch durch die flache Ebene (30 Kilometer) kommt die nächste Karawanserei (Kirk Göz Hane) in Sicht. Dann folgt die schwierige Überquerung des Gebirges, und man erreicht die Karawanserei Susuz Han. Über Incir Hani geht es weiter in Richtung Hauptstadt Konya. Der Fernhandel zu Land, der in der Form des Karawanenhandels in Anatolien etwas völlig neues darstellt, wird von den Seldschuken ausgezeichnet organisiert. Dabei kommen Ihnen für den Transport der Güter ihrer eigenen nomadischen Erfahrungen sowie für die Abwicklung der Geschäfte die Jahrhunderte alten kaufmännischen Techniken der Perser zu Gute, von deren hoch stehender Kultur die Führungsschicht Seldschuken ganz durchdrungen ist. Karawanenhandel und Hafenbetrieb machen Attalia zu einem wohlhabenden Gemeinwesen. Die Bauten aus dieser seldschukischen Epoche zählen zu den wichtigsten Altertümern der Stadt (kanneliertes Minarett, Karawanserei, Grabhäuser, Medrese).
Nach dem Mongoleneinfall verfällt im Zuge der allgemeinen Anarchie im Lande der Fernhandel; das seldschukische Reich löst sich auf. Konstantinopel wird seit der Eroberung durch die Kreuzfahrer (4. Kreuzzug 1204) von fränkischen Fürsten regiert. An der Südküste gibt es keine zentrale Herrschermacht mehr; in rasch wechselnder Folge lösen sich in Attalia byzantinische, lateinische, seldschukische, zyprische u. venezianische Herrschaften ab. Seit Sultan Beyazit (1841-1512) gehört Adalya, wie es jetzt genannt wird, als unbedeutender Hafen zum osmanischen Reich (bis 1918). Der Grund für diese zunächst erstaunliche Bedeutungslosigkeit ist darin zu sehen, dass in osmanischer Zeit die Karawanenwege durch in Anatolien keine bedeutende Rolle mehr spielen. Schon zwei Generationen nach dem Fall von Konstantinopel (1453) ist das Räuberunwesen in Inneranatolien so stark, dass kein risikoloser Handel mehr möglich ist. Aus diesem Grunde werden die Landwege in osmanischer Zeit auch nicht durch Karawansereien ausgebaut. Der Hafen von Antalya, durch die hohe Gebirgsbarriere vom Hochland getrennt, gerät aus dem Blickpunkt. Osmanischer Handel findet, von der hohen Pforte in Istanbul aus gesteuert, in der Ägäis und auf dem Mittelmeer ohne Antalya statt.
Nach dem Ersten Weltkrieg erleidet Antalya kurzfristig eine italienische Besatzungszeit. Doch die Staatsgründung Atatürks sowie ein neuer Friedensvertrag machen diesem Spuk schnell ein Ende. Atatürk gibt der Stadt den heutigen Namen Antalya.

aus: Südküste der Türkei, EDITION ERDE Reiseführer, BW Verlag Nürnberg 1981, ISBN:3-82146507-7
mit freundlicher Genehmigung v. Dr. G. Korbel